| Kormoranzählung an der Murg | ||
| zu den Zahlen: | ||
| Über den Kormoran an der Murg |
![]() |
![]() |
![]() |
| Der Kormoran (Phalacrocorax carbo) | ||
| Beschreibung: | ||
|
Kormorane sind 77 bis 90cm groß und haben eine Flügelspannweite von 120 bis 150cm. Sie wiegen 2,5 bis 3,5kg. Von weitem sehen die Vögel schwarz aus, aus der Nähe fällt allerdings auf, das das Gefieder schwarz glänzt. . Im Prachtkleid haben Kormorane einen weißen Fleck am Schenkelansatz, einen weißlichen Nacken, ein weißes Gesicht und einen schwarzen Scheitel. Der relativ große Schnabel ist hakenförmig, am Schnabelgrund befindet sich eine gelbliche nackte Hautpartie. Die Jungen Kormorane sind an ihrer hellen Brust zu erkennen. Kormorane können nur dumpf krächzende Laute von sich geben. |
||
| Lebensraum: | ||
|
Kormorane leben in ganz Europa an der Küste und in Binnengewässern. Die nördlichsten Populationen ziehen im Winter weit nach Westen und Süden. Unsere Kormorane an der Murg leben nahezu das gesamte Jahr über an der Murg. Zum Brüten suchen sie ihre Brutkolonien in der Rheinebene auf, um während der Brutzeit immer wieder in das Murgtal zur Nahrungssuche einzufliegen. Nach Erledigung des Brutgeschäftes treffen sich die Vögel in der Dämmerung in den Pappel unterhalb der Schoeller und Hoeschbrücke in Gernsbach um dort die Nacht zu verbringen. |
||
| Nahrung: | ||
|
Kormorane fressen im Mittel 300-400gr. Fisch pro Tag, während der drei Monate dauernden Brutzeit steigt der Nahrungsbedarf auf rund 500gr. an. Ihre Nahrung erbeuten sie tauchend, wobei Wassertiefen von 30m erreicht werden können. Sie sind "Nahrungsoportionisten" , fangen also die Beute, die häufig und leicht verfügbar ist. Dies sind in der Murg unter anderem Äschen, die im Freiwasser leben und keine Schutzstrukturen aufsuchen. Dies würden die Forellen bei Gefahr tun, haben in weiten Teilen der Murg dazu aber keine Möglichkeit, da die Schutzstrukturen, so genannte Unterstände im ausgebauten und kanalisierten Murgbett weitestgehend fehlen. Fische der Größenklasse zwischen 15 und 30 cm werden bevorzugt, Größen bis 40cm werden jedoch auch ohne Probleme erbeutet und gefressen. |
||
| Das Problem: | ||
|
Als die ersten Kormorane im Murgtal auftauchten, handelte es sich nur um einige Vögel, die auch nicht sofort sesshaft wurden. Im Winter 1996 - 1997 als in der Rheinebene nahezu alle stehenden Gewässer zugefroren waren konnte man zeitweise 80 und mehr Kormorane an der Murg beobachten, die den gesamten Fischbestand binnen weniger Tage radikal reduzierten. Nach dem kalten Winter waren nahezu alle Äschen, Forellen und auch Weisfische wie Döbel, Hasel, Barben und Nasen verschwunden. Die Fischbestände erholten sich bis Heute nicht. Ein Teil der Kormorane blieb und schöpft seither Jahr für Jahr den Fischertrag der Murg ab. |
||
|
Nimmt man die Durchschnittszahlen der Kormoranzählung an der Schoeller und Hoeschbrücke des Winters 2006 bis 2007 und rechnet den Tagesbedarf eines Kormorans mit 400gr. kommt man pro Jahr auf 1.310 kg Fisch die von den Kormoranen die an der Murg leben, ohne zutun von "Gastvögeln" gefressen werden. Darunter befinden sich Junglachse, Äschen ebenso wie Groppen und andere bedrohte Fischarten. (den Lachs versucht man an der Murg wieder anzusiedeln, siehe auch den Artikel "Über den Lachs") Die Angelvereine, die respektable Pachten für das Recht der Fischerei bezahlen, stehen diesem Zustand machtlos gegenüber und müssen zusehen wie die Fischbestände immer mehr reduziert werden. Fische im Größenspektrum zwischen 10 und 35cm sind in weiten Teilen der Murg nahezu verschwunden. Dies ist aus den Fangstatistiken der Angelvereine ebenso wie aus Ergebnissen von Elektobefischungen zu ersehen. |
||
|
Wir wollen sicherlich kein Kesseltreiben gegen den Kormoran veranstalten, wie es in früheren Zeiten praktiziert wurde. Eines muss uns allerdings nüchtern betrachtet klar werden: Wollen wir den Artenschutz nicht an der Wasseroberfläche enden lassen, kommen wir nicht umher, die Kormoranzahlen nach unten zu korrigieren. Die auf der roten Liste anzutreffenden Fische (ebenso wie die anderen Fischarten) leiden nicht nur unter der Verbauung der Murg zur Energiegewinnung, (die durch Schwelbetrieb verursachten sich schnelle ändernden Wasserstände und den Trockenfall großer Gewässerabschnitte), sondern sie leiden auch unter dem extrem hohen Fraßdruck der Kormorane. |
||
| Udo Schmalbach | ||
| zweiter Vorstand Mäander | ||
| zurück |